Ein Fundstück aus dem benachbarten Ausland: Das Self-Assessment Allianz Expérience

Die Allianz in Frankreich bietet Bewerbern die Möglichkeit, sich in einem Self-Assessment-Verfahren „auszuprobieren“ und die Position des Kundenberaters „Vermögensmanagement“ kennenzulernen: http://www.allianz-experience.fr.

Allianz Expérience beginnt zunächst mit einem kleinen Intro-Video, in dem Ablauf und Inhalt vorgestellt werden: Im Rahmen kleiner Fallstudien berät der User, als Mitarbeiter der Allianz, Kunden bezüglich der vielfältigen Angebote.

Bevor es richtig losgehen kann, muss der Bewerber sich zunächst registrieren. Die eigentliche Anwendung beginnt dann erneut mit einem Intro-Video, in dem sich die Managerin Emmanuelle Federicci vorstellt. Sie begleitet den User durch die gesamte Anwendung und überträgt ihm in regelmäßigen Terminen neue Aufgaben, bzw. erkundigt sich nach dem aktuellen Stand.

Auf der Haupt-/Navigationsseite befindet sich der User an seinem Schreibtisch.

Gesteuert werden die einzelnen Aufgaben über den Terminkalender. Eine neue Aufgabe ist immer grau hinterlegt und kann per Mausklick ausgewählt werden. Die Aufgaben variieren nur geringfügig: Zunächst teilt die Managerin einem die neue Aufgabe mit, dann wird der Kunde telefonisch kontaktiert, um einen Termin zu vereinbaren. Dieser Termin wird dann im Kalender eingetragen und der User führt diesen später aus. Teilweise muss er auch E-Mails beantworten, diese erscheinen am Computer. Der Text kann via Single- bzw. Multiple Choice ausgewählt werden.

Ziel der gesamten Anwendung ist es natürlich, die Kunden möglichst passgenau zu beraten. Mit dem entsprechenden Feingefühl für die einzelnen Kunden (es stehen einem meistens zwei Antwortalternativen zur Verfügung) kann die jeweilige Kundenzufriedenheit gesteigert werden. Diese wird während der einzelnen Teilaufgaben anhand einer Leiste dargestellt und sinkt oder steigt nach jeder Teilaufgabe.

Zusätzlich kann der User im „Bilans patrimoniaux Clients“ seine bisherigen Kundenkontakte/Notizen und den aktuellen Status der Kundenzufriedenheit einsehen oder sich im „Offres commerciales“ der Allianz zu den einzelnen Produkten informieren.

Die einzelnen Kunden werden dem User durch kurze Vidoes (ca. 30 Sek.) vorgestellt. Insgesamt erhält er 10 Fallbeispiele. Für mein Empfinden hätten es auch weniger getan. Denn die Anwendung ist mit 90 Minuten wie ich finde extrem lang – was sich durch meine mangelhaften Kenntnisse der französichen Sprache noch viiiieeelll länger angefühlt hat (an dieser Stelle ein dickes Dankeschön an Laura, die mir als Übersetzerin zur Seite stand:-)).

Am Ende der Anwendung wird der User wieder durch die Managerin Emmanuelle Federicci verabschiedet und auf die französische Karriereseite der Allianz verwiesen bzw. bekommt die Möglichkeit, sich über einen direkten Link zu bewerben. Die besten Bewerber bekommen eine Einladung zum Bewerbertag (diese Einladung ist bei mir bis jetzt leider noch nicht eingetroffen:-)) und es wird einem der „Final Score“ im User Ranking angezeigt. Ein differenziertes Feedback zum eigenen Antwortverhalten gibt es leider nicht.

Um das Self-Assessment etwas umfangreicher zu bewerten, haben wir es einmal in dem von uns entwickelten Personality Profile eingeordnet. Dieses Modell nimmt die Unterscheidung von Self-Assessments anhand von drei Dimensionen vor:

1)      Hinsichtlich der Zielsetzung,

2)      bezüglich des methodischen Ansatzes und

3)      nach der „Mächtigkeit“, also dem Umfang der Applikation.

Dimension 1: Die Zielsetzung

Allianz Expérience zeigt dem User sehr offensichtlich die Hauptaufgabe eines Kundenberaters auf: „Kunden zu beraten“:-). Es wird schnell ersichtlich, dass es sich prinzipiell immer wieder um ähnliche Situationen dreht: Der Kunde kommt mit einem Wunsch, z.B. dem Abschluss einer Lebensversicherung, zum Kundenberater und dieser muss die bestmögliche, auf die Situation des Kunden abgestimmte Lösung finden. Dabei ist es natürlich wichtig, das Vertrauen des Kunden zu gewinnen und diesen zum Abschluss bei der Allianz zu bewegen. Nach 10 unterschiedlichen Kundenbeispielen kann sich meiner Meinung nach der User sehr gut die Frage beantworten, ob die Tätigkeit etwas für ihn sein könnte und er kunden- und lösungsorientiert als Kundenberater tätig werden möchte. Dabei steht also mehr der „Person-Job-Fit“ als der „Person-Organization-Fit“ im Vordergrund. Die Unternehmenswerte bzw. unternehmensspezifischen Kompetenzen werden nur am Rande behandelt.

Dimension 2: Die Methodik

Bei Allianz Experiénce handelt es sich um ein Self-Assessment, das den Job erlebbar macht, also ganz klar um Realistic Job Preview. Die Antworten können zwar unterschiedlich gut gelöst und damit die Kundenzufriedenheit gesteigert oder gesenkt werden, aber Ziel des Self-Assessments ist es, den User zur Selbstreflexion anzuregen und ihn dabei zu unterstützen, herauszufinden, ob er Lust auf die Aufgabe hat.

Dimension 3: Der Umfang

Mit 90 Minuten Nutzungsdauer gehört Allianz Expérience zu den Self-Assessments > 60 Minuten. Durch sehr ähnliche Fallbeispiele (vielleicht liegt diese Wertung aber auch an meinen mangelnden Französischkenntnissen) ist die Anwendung sehr langwierig.

Abschließend ist zu sagen, dass die Applikation durch die Videos sowie die verschiedenen Optionen (Telefontermin, E-Mail oder direkter Kundenbesuch) sehr aufwendig gestaltet ist und einen umfassenden Überblick über die Tätigkeit bietet. Sehr gut finde ich z. B. die Navigationsseite, über die der User virtuell immer wieder in „sein Büro“ zurückkehrt. Auch die Begleitung durch die Managerin und die damit verbundene Botschaft „Du wirst bei der Allianz nicht alleine gelassen.“ ist gut gelungen. Der User kann selbst entscheiden, wie tief er in die Thematik einsteigt, dadurch, dass das „Offres commerciales“ der Allianz, das über die Produkte informiert, freiwillig angesteuert werden kann. Die persönliche Ansprache während der gesamten Anwendung personalisiert das Self-Assessment und verbindet den User mit der Situation. Doch durch den sequentiellen Ablauf der Anwendung (es kommen immer neue Kunden hinzu) verliert das Self-Assessment schnell den „Ausprobier-Charakter“. Dies hätte meiner Meinung nach etwas geschickter gelöst werden können, indem der Kunde nach den ersten Fällen z. B. über das „Bilans patrimoniaux Clients“ selbst hätte entscheiden dürfen, welcher Kunde/Fall ihn noch interessiert.

Wer nun neugierig geworden ist, kann Allianz Expérience auf http://www.allianz-experience.fr/ ausprobieren. Wem es auch an Kenntnissen der französischen Sprache mangelt :-),  wer sich jedoch trotzdem gerne im Berufsfeld der Allianz umsehen möchte, der sei auf den Job Matcher der Allianz verwiesen. Hier bietet die Allianz interessierten Schülern die Möglichkeit herauszufinden, welcher Beruf zu ihnen passt: https://perspektiven.allianz.de/schueler/ausbildung/jobmatcher/index.html.

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Levke Mohr

Projektmanagerin bei CYQUEST GmbH
Ich bin Projektmanagerin bei der CYQUEST GmbH und betreue in dieser Rolle Projekte rund um die Themen: E-Assessment, SelfAssessment, Berufs- und Studienorientierung sowie Online-Employer-Branding. Da ich eine sehr hohe Affinität zu diesen Themen habe und auch meine Masterarbeit über die Akzeptanz von Online-Assessments geschrieben habe, bringt es mir viel Spaß zu diesen Themen zu bloggen.

2 Gedanken zu „Ein Fundstück aus dem benachbarten Ausland: Das Self-Assessment Allianz Expérience

  1. Lieber Herr Huth,

    für die Nutzer ist das Self-Assessment kostenfrei. Wie hoch die Kosten der Erstellung der Allianz-Expérience waren, können wir Ihnen leider nicht beantworten. Vielleicht kann Ihnen jemand aus der Personalabteilung der Allianz in Frankreich weiterhelfen.
    Sollten Sie selbst Interesse an der Erstellung eines Self-Assessments haben, beraten wir Sie natürlich gerne. Auf http://www.cyquest.net/selfassessment-verfahren/ finden Sie von uns umgesetzte Projekte und unsere Kontaktdaten.

    Viele Grüße und einen guten Start in die Woche.

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