Die Mobile Recruiting (R)Evolution – Ergebnisse der Studie „Mobile Recruiting 2011“

Ähnlich wie auch das Thema Mobiles Internet an sich, wird auch das Thema „Mobile Recruiting“ seit Jahren oft als „das nächste große Ding“ diskutiert. Alle warten dann auf den großen Knall und wenn der nicht kommt, sind alle enttäuscht. Nun, wie ich schon im Frühjahr bei meinem Vortrag im Rahmen der Personalinform Fachkonferenz “Employer Branding 2.0 Aufbau und Pflege der Arbeitgebermarke im Web 2.0” zu diesem Thema gesagt habe, ist diese etwas „journalistische“ Sicht auf das Thema falsch. Mobile Recruiting ist keine Revolution und wird nicht auf einmal alles ändern, es wird vielmehr in kleinen Schritten, heimlich, stiil und leise an Bedeutung zunehmen und irgendwann einfach ganz normal dazugehören. Evolution eben.

Diese Aussage scheinen nun auch die Befunde der Studie Mobile Recruiting 2011, die der eco – Verband der deutschen Internetwirtschaft und die DJM Consulting GmbH im Kontext des Forschungsprojekts ReMoMedia (Recruiting in the Mobile Media) durchgeführt haben, zu bestätigen. Speziell ein Vergleich mit den Ergebnissen der ersten Mobile Recruiting Studie aus 2009 zeigt den langsamen aber stetigen Trend.

Ein paar Kernergebnisse (Zitat):

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Die Zahl der Unternehmen, die im Bereich Mobile Recruiting bereits aktiv sind, wächst.

25 Prozent haben bereits mobile Anwendungen/Technologien für die Interaktion mit (potenziellen) Bewerbern eingesetzt. Das sind mehr als drei Mal so viele als in 2009 (8 Prozent). Die Zahl der Unternehmen, die über eine für mobile Endgeräte optimierte Karriere-Website verfügen, liegt bei 17 Prozent und hat sich damit im Vergleich zu 2009 (8 Prozent) mehr als verdoppelt.

Im Vergleich zu 2009 ist die Bekanntheit sowie die Einschätzung der Relevanz von Mobile Recruiting gestiegen.

Auch was die Bekanntheit der Anwendungsmöglichkeiten angeht, scheinen die Unternehmen heute weiter zu sein als noch vor zwei Jahren: 62 Prozent haben eine Vorstellung darüber, wie man Mobile Media in den Personalmarketing-Personalmarketing Mix integrieren kann (2009: 38 Prozent). Ebenso wird die Bedeutung von Mobile Recruiting heute klar höher eingeschätzt. So sind 90 Prozent der Ansicht, dass Unternehmen jetzt Kompetenzen aufbauen und das Thema organisatorisch verankern müssen (2009: 70 Prozent).

Social Media, mobile Karriere-Websites und iPhone-Apps sind die „beliebtesten“ Anwendungen im Mobile Recruiting.

Sowohl was die allgemeine Bekanntheit als auch die Einschätzung der Bedeutung angeht, liegen Social Media für mobile Endgeräte, für mobile Endgeräte optimierte Karriere-Websites und iPhone-Apps ganz vorne. Auch der tatsächliche und geplante Einsatz zeigt, dass diese Applikationen aktuell zu den wichtigsten gehören. SMS, MMS, Mobile Video und Bluetooth haben im Vergleich zu 2009 an Bedeutung verloren.

Unternehmen sind zum Teil immer noch skeptisch, aber es ist ein starkes Interesse an Mobile Recruiting vorhanden.

Knapp die Hälfte der Unternehmen kann den tatsächlichen Nutzen von Mobile Recruiting zur Zeit noch nicht erkennen. Trotzdem ist das Interesse daran sehr hoch. So möchten 96 Prozent gerne mehr über das Thema erfahren. Bei 43 Prozent der Unternehmen mangelt es jedoch an personellen Kapazitäten, um das Thema weiter voran zu treiben.

Der bisherige Zielgruppen-Response ist überwiegend positiv – jüngere Zielgruppen stehen im Fokus von Mobile Recruiting.

Knapp 80 Prozent der Unternehmen, die bereits im Mobile Recruiting aktiv sind, sind mit dem Response zufrieden. Studenten/Absolventen und Schüler/Auszubildende sind die klar favorisierten Zielgruppen.

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Soweit die Kernergebnisse. Man erkennt eine deutliche Zunahme der Relevanz dieses Themas gegenüber 2009. Allerdings muss man dabei aber auch bedenken, dass wir über einen Zeitraum von 2 Jahren sprechen (wieviele Nutzer hatte Facebook 2009 in Deutschland noch gleich…? Genau: etwa 20% der heutigen). Das soll das Thema Mobile Recruiting überhaupt nicht diskreditieren oder kleinreden, es soll vielmehr die Eingangs postulierte These unterstützen, dass Mobile Recruiting und Mobile Employer Branding evolutorisch wachsende Themen sind.

Ich bin mir sogar sicher, dass die eigentliche Bedeutung des Themas auch heute schon größer ist als es die Zahlen suggerieren: Ein Großteil der heutigen Smartphones stellt nämlich auch Webseiten, die nicht speziell für mobile Zwecke optimiert wurden (oft zu erkennen an der Top-Level-Domain .mobi oder einem entsprechenden Verzeichnisnamen, siehe z.B. http://www.mobile.beiersdorf.com/) durchaus sehr passabel dar. Betrachtet man sich das durchschnittliche Nutzerverhalten von mobilen Internetnutzern, so sieht man, dass sehr viele hiervon auf ihrem Telefon letztlich „ganz normal das Internet nutzen“, also einfach gelernte URLs eingeben und so auf den normalen Webseiten landen. Suchen sie dann den Karrierebereich einer Website auf, dann sind wir mindestens schonmal beim Mobile Employer Branding angekommen, auch wenn es das Unternehmen bestenfalls webanalytisch an der Art des Referer-Browsers erkennen würde.

Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen: Der durchschnittliche Kenntnisstand der Webanalyse oder der Umgang mit Trackingtools wie eTracker oder Google Analytics im HR ist nach meinen Erfahrungen, hmm, sagen wir mal bestenfalls  „überschaubar“. Von daher dürften viele Personaler mit ihren Webaktivitäten längst im „Mobile“ angekommen sein, ohne es zu wissen. Und was man nicht weiß, kann man auch nicht in einem Fragebogen ankreuzen…

Die Ergebnisse der Studie „Mobile Recruiting 2011“ können übrigens hier heruntergeladen werden.

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Jo Diercks

Geschäftsführer bei CYQUEST GmbH
Ich bin Gründer und Geschäftsführer der CYQUEST GmbH und der Mi4 GmbH. CYQUEST beschäftigt sich mit dem Thema Recrutainment, also dem Einsatz spielerisch-simulativer Methoden im Online-Assessment, Employer Branding und Recruiting. Im Recrutainment Blog berichte ich regelmäßig hierüber. Mi4 ist als Unternehmensberatung auf Themen des Online-Marketings und eCommerce spezialisiert.

3 Gedanken zu „Die Mobile Recruiting (R)Evolution – Ergebnisse der Studie „Mobile Recruiting 2011“

  1. Vielen Dank für diese interessante Studie. Im Rahmen der Konzeption einer mobilen Recruiting Lösung für E-Plus haben wir mit der E-Plus JobConnect App ( https://play.google.com/store/apps/details?id=com.materna.buc.newmedia.mobilerecruiting ) sowie dem Aufbau eines mobilen Portals auch positive Erfahrungen mit einer Karriere Lösung für Unternehmen sammeln können. Siehe auch: http://www.materna-newmedia.de/referenzen/referenzen-e-plus-gruppe/referenz-e-plus-mobile-recruiting-apps/

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