Die Krones AG fragt per Facebook App „Bist du ein Kronese?“

Durch einen Eintrag auf unserer eigenen CYQUEST Facebook Seite durch Charles Schmidt, Social Media Officer der Krones AG, bin ich auf einen sehr spannenden Ansatz von Krones aufmerksam geworden. Die Krones AG, für die die es nicht wissen eines der weltweit führenden Unternehmen der Abfüll- und Verpackungsindustrie, bietet seit kurzem auf ihrer Facebook Karriereseite die App „Bist du ein Kronese?

Nun, Krones ist insb. im Kontext Social Media durchaus ein bemerkenswertes Unternehmen. Beispielsweise rangiert das Unternehmen momentan auf Platz 10 der deutschsprachigen Karriere-Fanpages und wird sich im nächsten Twitter-Ranking deutschprachiger Corporate Career Tweets wohl auf Platz 17 einsortieren – jeweils gemessen an Fan- bzw. Follower-Zahlen, womit dieses mittelständische Unternehmen immerhin Namen wie Bertelsmann, Siemens, die Telekom oder BASF hinter sich lässt (zumindest bei Facebook).

Da man hinter der Frage „Bist du ein Kronese?“ unschwer einen Selbsttest vermuten konnte, war ich natürlich sehr gespannt, was mich erwartet. SelfAssessment (oder auch Serious Gaming) ist ja Top-Thema im Moment, so dass der Schritt mit diesem Thema hin zu Facebook ja sehr nahe liegt (wir werden ja in den nächsten Tagen selber eine SelfAssessment Facebook App für einen unserer Kunden starten, seid neugierig…). Was verbirgt sich also hinter der App?

Es handelt sich quasi um ein Quiz, welches insg 10 Fragen umfasst. Darunter finden sich Fragen die eher Wissensaspekte umfassen, aus denen sich eine gewisse technische Affinität ableiten lässt…

…oder Wissensfragen, die den wohl aus Krones-Sicht wichtigen Aspekt „Mobilität / Internationalität“ transportieren…

Es werden aber auch Fragen gestellt, die dann schon eher im Sinne einer Selbstreflexion (anscheinend) wichtige Auswahlmerkmale ansprechen:

Am Ende (das Ganze dauert nur ein paar Minuten) erhält man ein Feedback, welches aus der erreichten Punktzahl (x von 30) und einer kleinen Kommentierung besteht. Ich habe die App zweimal durchlaufen und wurde einmal mit 22 Punkten ein „vielversprechendes Nachwuchs-Talent“ und einmal mit 29 Punkten ein „abenteuerlustiger Vollblut-Techniker“.

Das Ergebnis lässt sich dann auf die eigene Pinnwand posten und man kann Freunde herausfordern, ob sie es nicht besser können…

So, nun zu einer kritischen Würdigung:

Ich finde den Ansatz sehr gut, Facebook als Plattform zu benutzen, um spielerische Momente mit Selbsttest-Elementen zu verbinden (wie gesagt, wir arbeiten auch gerade dran). Insb. das Potential zur Viralität ist aus meiner Sicht enorm. In sofern gebührt der Krones AG definitiv der Beifall eines Pioniers.

Leider verspielt die App „Bist du ein Kronese?“ für meinen Geschmack unglaublich viele Chancen. Die Fragen sind für mich doch arg banal. Was soll sich hinter der Frage, was ein Schraubendreher ist, für ein tieferer Sinn verstecken? Wenn es darum geht zu transportieren, dass man bei Krones wohl regelmäßig mit eben solchem arbeitet (also wohl handwerklich-technisch tätig ist), dann kann man das eigentlich auch etwas weniger platt tun. Bei anderen Fragen ist dies etwas besser gelungen (Internationalität), aber insg. doch deutlich zu wenig profiliert. Hier hätte man Unternehmenswerte, unternehmenswichtige Persönlichkeitsmerkmale oder zumindest auswahlrelevante Hardfacts verarbeiten können / sollen. Für mich hat es die Arbeitgeber-Marke Krones leider nicht wirklich klarer gemacht., die Frage, ob ich Kronese bin, kann ich nach dem Tool nicht wirklich besser beantworten.

Zweitens: Ich habe beim ersten Durchlauf einfach schnell durchgeklickt und wurde dennoch ein „vielversprechendes Nachwuchs-Talent“. Entweder viel Zufall oder es wird einfach jeder „irgendwie ermutigt“, sich doch mal mit Krones als Arbeitgeber zu befassen. Ich finde aber eigentlich, dass ein Selbsttest dazu dienen sollte, dass sich nur die richtigen ermutigt fühlen, während die falschen durchaus erkennbar angezeigt bekommen sollten, dass sie evtl. nicht passen. Man kann das ja durchaus nett sagen… Wenn es nur um Awareness oder Erhöhung der allgemeinen Bekanntheit geht, okay, aber wenn es letztlich der Profilschärfung und Verbesserung der Selbstselektion dienen soll, dann ist mir das ein bißchen zu artig. Eine (Arbeitgeber-)Marke sollte schon auch mal Kante zeigen. Ein Selbsttest eignet sich hiefür wie kaum ein anderes Instrument.

Beim zweiten Durchgang habe ich dann mal versucht, die „wohl jeweils richtige“ Antwort anzuklicken und siehe da: 29/30 Punkten. Das heisst für mich: Hier wird „sozial erwünschtes Antwortverhalten“ leider doch etwas zu leicht gemacht.Was bringt ein Selbsttest, wenn ich schon an den Antwortmöglichkeiten ziemlich deutlich erkenne, was denn wohl „richtig“ ist?

Auch werden pro Antwort jeweils nur drei Antwortalternativen (Distraktoren) angeboten. Dadurch steigt jeweils „rein stochastisch“ die Chance, die richtige Lösung anzuklicken oder auch „wenig Varianz = oft kein so guter Test“.

Fazit: Superidee. In der Umsetzung aber noch einige Luft nach oben.

Die App ist über die Facebook-Seite der Krones AG erreichbar, wo der Einstieg über das Tab „Kronese?“ möglich ist.

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Jo Diercks

Geschäftsführer bei CYQUEST GmbH
Ich bin Gründer und Geschäftsführer der CYQUEST GmbH und der Mi4 GmbH. CYQUEST beschäftigt sich mit dem Thema Recrutainment, also dem Einsatz spielerisch-simulativer Methoden im Online-Assessment, Employer Branding und Recruiting. Im Recrutainment Blog berichte ich regelmäßig hierüber. Mi4 ist als Unternehmensberatung auf Themen des Online-Marketings und eCommerce spezialisiert.

4 Gedanken zu „Die Krones AG fragt per Facebook App „Bist du ein Kronese?“

  1. Gelungener Artikel! Ich für meinen Teil denke, dass die Frage „Bist du ein Kronese?“ zu weit gefasst wurde. Der Fokus der App liegt meiner Meinung nach auf dem Außendienst bzw. auf dem Aufgabengebiet des After Sales Services. Demnach wäre eine Fragestellung ala „Bist du ein geborener Krones Service- Mitarbeiter?“ evtl. treffender.

    Nichtsdestotrotz. Eine tolle Spielerei, die optisch ansprechend umgesetzt wurde. Und wer weiß, was Krones noch so alles in der Schublade hat. Als Vorreiter hat man halt wenig Anhaltspunkte, wie so eine App aussehen soll. Als Folger kann man natürlich von den „Fehlern“ anderer lernen.

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