Beiträge vom Januar, 2011

HANIEL lässt die Mitarbeiter sprechen – Karriere persönlich

Dienstag, 18. Januar 2011 12:53

Mal ehrlich – wer kennt die Unternehmen TAKKT oder ELG? CWS-Boco ist vielleicht dem einen oder anderen aufmerksamen Besucher des Waschbereichs schon einmal beim Blick auf die Handtuchrolle begegnet und GEHE oder DocMorris assoziiert man wohl noch grob mit Pharma oder Apotheken. Dass alle diese Unternehmen, wie im Übrigen auch 34,2% der METRO Group, zum Haniel Konzern gehören und somit einen Teil zum jährlichen Konzernumsatz von mehr als 24 Mrd. Euro (ja, Milliarden und da ist der Metro-Umsatz nicht enthalten) beisteuern, wissen nur Eingeweihte.

Haniel ist eines der faszinierendsten Unternehmen Deutschlands. Nicht nur die tatsächliche Größe (der Konzern beschäftigt weltweit deutlich über 50.000 Mitarbeiter, auch wieder ohne Metro wohlgemerkt), sondern auch die spannende über 250-jährige Unternehmenshistorie (vom Kolonialwarenhandel zum Montan-Unternehmen zum modernen Dienstleistungs- und Handelskonzern) und die Unternehmens-Werte (darüber werden wir in den nächsten Wochen noch was hören…) unterstreichen dies.

Doch auch “Haniel” teilt gewissermaßen das Schicksal seiner Konzern-Töchter. Wirklich bekannt als Arbeitgeber-Marke ist das Unternehmen nicht. Hört man Haniel denkt man oft eher an die Haniel-Stiftung. Das ist ja auch nicht schlecht, zumal Studien- und Nachwuchsförderung ja nun definitiv Zukunftsthemen sind und die Tätigkeit der Stiftung somit sinnbildlich für die Haniel-Werte steht. Aber Haniel auf die Stiftung zu reduzieren greift deutlich zu kurz. Haniel hat viel mehr zu bieten.

Unter dem Titel “Karriere persönlich” füllt Haniel nun die Arbeitgeber-Marke mit mehr Leben. In zwischen 3 und 5 Minuten langen Videos stellen sich fünf Haniel-Mitarbeiter aus völlig unterschiedlichen Bereichen vor: Da berichtet z.B. Dr. Felix Zimmermann, Vorstandsvorsitzener der TAKKT AG über seinen Einstieg im Haniel Konzern, seine Tätigkeiten und das aus seiner Sicht besondere an Haniel als Arbeitgeber.

Es kommen aber auch andere (noch) Nicht-Top-Management Mitarbeiter zu Wort und berichten z.B. über das Haniel International Trainee Programm, die Möglichkeit, parallel zu einer Tätigkeit bei Haniel zu studieren oder auch die tatsächlich gelebte Work-Life-Balance.

Besonders gut gefallen hat mir auch das kleine Outtakes-Video ganz unten auf der Seite. Jeder der mal eine Kamera auf sich gerichtet hatte oder eben diese auf andere gehalten hat, wird mit den Testimonials mitleiden können und wissen wie es sich anfühlt, wenn sich die Zunge beim Wort “Haniel” anfängt zu verknoten…

Also: Ja, das ist nicht bahnbrechend neu und den hier gewählten Testimonial-Ansatz sieht man auch nicht zum ersten Mal. Auch würde ich durchaus anregen, die Videos stärker zu streuen und nicht nur denjenigen zugänglich zu machen, die eh schon auf die Haniel-Website gestoßen sind (man findet die Videos weder bei Youtube noch führt einen eine Google-Suche mit den Begriffen “Haniel und Video” dorthin und auch die Facebook-Seite “Karriere 2.0” führt nur eines der fünf Videos). Aber: Das ließe sich ja alles recht flott machen, entscheidend ist ja erstmal der Content und der ist gelungen.

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Bei E.ON Kraftwerke kann man ausprobieren, was ein Online-Assessment ist

Mittwoch, 12. Januar 2011 17:43

Vor einiger Zeit haben wir hier über die Möglichkeit berichtet, sich quasi im Nichtschwimmerbecken auf ein eAssessment vorzubereiten. Die Beispiele für derartige Trainingsparcours waren die Lufthansa und die zur Demag Cranes AG gehörende Gottwald Port Technologies. Heute möchte ich ein weiteres Beispiel vorstellen:

Mit Hilfe des “Online Bewerbertests” ermöglicht die E.ON Kraftwerke GmbH Ausbildungsinteressierten die Teilnahme an einem dem späteren “echten” Auswahltest ähnlichen Selbsttest.

Nach einer kurzen Begrüßung, Registrierung und datenschutzrechtlichen Aufklärung (confirmed opt-in) geht es los. Der Testparcours umfasst insg. folgende fünf Module:

- Mathematik,

- Räumliches Vorstellungsvermögen,

- Logisches Denken,

- Sprachanalogien und

- Konzentrationsfähigkeit.

Vor jedem Aufgabenblock erhält der Nutzer Durchführungshinweise und eine Beispielaufgabe. Erst wenn diese richtig gelöst wird, kommt man zum nächsten Schritt. Danach gilt es jeweils die eigene Leistungsfähigkeit im jeweiligen Bereich selbst einzuschätzen:

Bei den Tests handelt es sich um Leistungstests, d.h. die Aufgaben haben immer “Richtig-Falsch-Charakter” und die Tests sind unter Zeitdruck zu bearbeiten. Dabei sind die einzelnen Testmodule jeweils auf zwei Seiten verteilt, ohne Rücksprungmöglichkeit. Zwei Beispiele:

Nach Absolvierung aller fünf Testmodule, die zusammen eine Nettobearbeitungszeit von 23 Minuten haben (inkl. des Lesens der Instruktionen und kleiner Pausen sollte man insg. aber schon ca. 45 Minuten einplanen), erhält der Teilnehmer eine detaillierte Auswertung seiner Ergebnisse. Hierbei werden pro Skala jeweils vier Werte angezeigt: Das eigene Testergebnis, die eigene Selbsteinschätzung (s.o.), der Durchschnittswert aller Teilnehmer sowie ein vorgegebener Sollwert für kaufmännische Azubis (alles i.S.v. “Anzahl korrekt an Gesamt”).

Neben der grafischen Anzeige erhält man auch noch eine verbale Kommentierung des eigenen Ergebnisses. Im meinem Fall hat das Ergebnis offensichtlich “gereicht”, so dass ich entsprechend ermuntert wurde, mich zu bewerben. Hierzu kann ich mir mein Ergebnis als PDF herunterladen und meinen übrigen Bewerbungsdaten beifügen. Werden in mehreren Testmodulen nicht die erforderlichen Mindestwerte erreicht, hält sich die Applikation bzgl. dieser “Ermunterung” auch deutlich bedeckter…

Auch wenn der E.ON Übungstest speziell in Punkto Gestaltung eher schlicht daher kommt, bietet dieser eine sehr gute Übungsmöglichkeit für den späteren Realtest. Insb. zeigt einem das Beispiel, dass sich hinter einem Online-Assessment nichts “Schlimmes” verbirgt und man dieses entsprechend auch ohne Angst angehen sollte.

Thema: Berufsorientierung, eAssessment, SelfAssessment | Kommentare (1)

“TasteEE”: SelfAssessment und Berufsorientierung im Bereich regenerativer Energien

Dienstag, 11. Januar 2011 15:49

Mit dem Online-SelfAssessment „TasteEE“ hat der Wissenschaftsladen Bonn e.V. eine spannende, interaktive und informative Plattform für Jugendliche in der Berufsorientierung geschaffen.

Auf www.taste-ee.de dreht sich alles um das Thema „erneuerbare Energien“: An praxisnahen Aufgaben und Fallbeispielen können Schülerinnen und Schüler ihr Wissen und ihre Kompetenzen in den Bereichen Technik, Mathematik, logisches Denkvermögen und Textverständnis testen. Feedbacks erleichtern den Nutzern die Bewertung der eigenen Leistung und ermöglichen zudem einen Abgleich der eigenen Kompetenzen mit den Anforderungen der Berufswelt. Die thematische Ausrichtung der Aufgaben vermittelt den Usern darüber hinaus ein Gefühl für Problemstellungen dieser Branche.

Zielgruppe dieser Plattform sind in erster Linie Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen neun bis 13. Der Anspruch der Aufgaben aus den Bereichen Mathematik, Technik und Naturwissenschaften ist entsprechend am gymnasialen Mittelstufenniveau in naturwissenschaftlichen Fächern orientiert. TasteEE richtet sich darüber hinaus auch an Lehrerinnen und Lehrer, die vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und der beruflichen Chancen in dieser Branche dazu motiviert werden, die Plattform TasteEE auch im Unterricht einzusetzen. Dabei könnte das Tool meinem Eindruck nach sowohl als Berufsorientierungsmedium als auch als fachliches Unterrichtsmaterial (z. B. zur Unterstützung des spielerischen Lernens in den naturwissenschaftlichen Schulfächern) angewandt werden. Der Mehrwert dieser Seite ist natürlich in erster Linie in der frühzeitigen (auch schulseitigen) Förderung der Auseinandersetzung mit den eigenen Neigungen, Interessen und Fähigkeiten und dem daraus möglicherweise resultierenden späteren Karriereweg zu sehen.

Konkret besteht das SelfAssessment „TasteEE“ aus drei Kapiteln: Das „Energie-Umwelt-Technik-Quiz“ fokussiert in erster Linie auf Wissen in diesem Bereich und umfasst 25 Aufgaben, die energietechnischen Alltagsfragen bzw. praxisnahen physikalischen Zusammenhängen nachgehen:

  • Wofür wird in deutschen Haushalten eigentlich die meiste Energie benötigt?
  • Was versteht man unter eine Photovoltaik-Anlage?
  • Oder: Wir groß ist der durchschnittliche Wasserbedarf einer Person pro Tag im Haushalt?

Kapitel eins schließt mit einer Rückmeldung zur erreichten Punktzahl ab und liefert – die Zielgruppe vor Augen – gleich eine Interpretation der erreichten Werte mit.

Kapitel eins ist ein gelungener, vergleichsweise „sanfter“ Einstieg in die Materie. Kapitel zwei im Anschluss erfordert die Bereitschaft zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit den Inhalten. Daher ist für meine Begriffe die erweiterte Ausrichtung der Plattform auf die Zielgruppe „Lehrer“, die die Aufgabenbearbeitung der Schüler zumindest in der Mittelstufe unterstützen bzw. anleiten können, ein gelungener Ansatz. In Kapitel zwei ist ein praxisnahes Fallbeispiel zu lösen, das sich über 27 Teilaufgaben erstreckt und für das 25 Minuten Zeit zur Verfügung stehen. Thematisch geht es in diesem Fallbeispiel um die energietechnische Planung, d. h. die Berechnung des Strom- und Wärmebedarfs eines neu zu errichtenden Wohngebietes – eine praxisnahe Aufgabenstellung, für die Zielgruppe aber lösbar. Dieses Fallbeispiel macht den größten Teil des SelfAssessments aus und kombiniert Aufgaben zu physikalischem Verständnis, zu mathematisch-logischem Denkvermögen, zu technischen Zusammenhängen sowie zur Fähigkeit zur Texterfassung.

Kapitel drei – ebenfalls ein Fallbeispiel – ist wesentlich kürzer gehalten und bildet den Abschluss des SelfAssessment. Inhaltlich geht es um die Eignungsfeststellung einer Dachfläche zum Bau einer Solaranlage. Hier steht unter anderem die Fähigkeit des Nutzers zur eigenständigen und zügigen Informationsbeschaffung im Fokus: Zur Lösung der Aufgabe ist die Webseite des Solarkatasters Bonn hinzuzuziehen, auf der die zur Lösung der Aufgabe relevanten Informationen zu recherchieren sind.

Zwischen den einzelnen Kapiteln werden die Nutzer übrigens in Form von Selbsteinschätzungsfragen immer wieder dazu animiert, sich mit den eigenen Neigungen und Fähigkeiten auseinanderzusetzen, was die Orientierungsfunktion der Seite zusätzlich verstärken dürfte.

Den Abschluss des SelfAssessments bildet eine ausführliche Rückmeldung zur eigenen Aufgabenbearbeitung. Darüber hinaus sorgt die zum Ende aufrufbare Musterlösung dafür, dass beim ehrgeizigen und interessierten Nutzer, der aus seinen Fehlern lernen möchte, keine Frustration aufkommt.

Mein Fazit: TasteEE ist ein gelungenes SelfAssessment mit eLearning-Charakter, das für eine Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten und Interessen sowie insbesondere einen Abgleich von eigenen Kompetenzen und Anforderungen im Bereich Technik und speziell regenerativer Energien durchaus geeignet ist. Die Seite ist übersichtlich gestaltet, die Handhabung ist einfach und eingängig. Die Applikation ist teilweise bebildert, wobei Fotos, Abbildungen und interaktive Grafiken eher reduziert eingesetzt werden.

Zur Verstärkung der Orientierungswirkung der Seite könnte ich mir eine Erweiterung der Plattform um informierende multimediale Elemente vorstellen. Beispielsweise ließen sich meines Erachtens vor allem auch kleine Filme integrieren, die mehr über die Branche und ihre Berufsbilder verraten. Auch eine Anbindung an Social Media wäre aus meiner Sicht sinnvoll, um das virale Verbreitungspotenzial des Social Web, in dem sich die Zielgruppe tummelt, für TasteEE voll auszuschöpfen.

In diesem Zusammenhang sei auch nochmal auf das RWE Schulforum verwiesen.

Thema: Berufsorientierung, Employer Branding, SelfAssessment, Serious Games, Social Media HR | Kommentare (2)

Online-Assessment zur Studierenden-Auswahl, z.B. an der Hochschule St. Gallen

Montag, 10. Januar 2011 13:16

Der Einsatz eignungsdiagnostischer Testinstrumente zur Vorauswahl von Personal wird zunehmend zum Standard, zahlreiche Beispiele wie Commerzbank, Media-Saturn, Tchibo, Unilever, Daimler oder Lufthansa belegen dies. Auch im Hochschulkontext begegnet einem das Thema Online-Assessment inzwischen sehr häufig. Hier stehen aber zumeist zwei andere Aspekte als die “Auswahl” im Vordergrund: Zum einen werden Online Self-Assessments zur Verbesserung der Studienorientierung (Beispiele: Uni Göttingen, Uni Freiburg, HAW Hamburg, Hochschule Niederrhein, RWTH Aachen etc.) eingesetzt, zum anderen werden an vielen Hochschulen mittlerweile Prüfungen über computer- oder webbestützten Testverfahren abgenommen.

Gleichwohl gibt es inzwischen auch Hochschulen, die Online-Assessment Verfahren im Rahmen ihrer Auswahlprozesse für Studierende einsetzen. Aufgrund verschiedener ethischer, juristischer und eignungsdiagnostischer Probleme werden diese dabei aber vor allem bei der Auswahl für Post-Gradudierten-Studiengänge und / oder durch private Hochschulen angewandt.

Zwei Beispiele:

Die Universität St. Gallen setzt ein Online-Assessment Verfahren im Rahmen der Auswahl von Studierenden für das Executive MBA-Programm ein. Ziel des Online Assessments ist es hier, zusätzlich zum Bewerbungsdossier weitere Informationen zur Klärung der Frage zu erhalten, ob der Executive MBA HSG-Studiengang eine sinnvolle Weiterbildungsmassnahme für die Bewerber darstellt. Das Online-Assessment besteht aus fünf Modulen. Der Fokus liegt auf der Testung von Persönlichkeitsmerkmalen. Darüber hinaus sind Simulationsübungen zu bearbeiten, die führungsbezogene Themen aus dem Geschäftsleben aufgreifen. Dadurch erhält die Uni Hinweise auf die beruflichen Entwicklungs- und Fördermöglichkeiten der Bewerber. Die reine Bearbeitungszeit des Online-Assessments beträgt knapp drei Stunden, wobei es eine Start-where-you-stopped Logik gibt, d.h. jeweils vor den Modulen kann eine kurze Pause eingelegt werden. Insg. stehen aber nicht mehr als 4,5 St.d zur Verfügung, bevor der Test sich schließt.

Die Ergebnisse werden zusammen mit den übrigen Bewerbungsunterlagen entscheidungsrelevant. Auch werden die Ergebnisse im gemeinsamen Feedback-Gespräch mit der Studienleitung besprochen.

Ein anderes Beispiel ist die Hamburg Media School. Als Public-Private-Partnership, an der neben den Hamburger Hochschulen (Uni, HAW, und TU-Harburg) auch die großen Medienunternehmen der Stadt (Gruner+Jahr, NDR, Axel Springer, Studio Hamburg usw.) beteiligt sind, bietet die HMS vor allem Post-Gradudierten Studiengänge wie einen Fulltime- oder Executive-MBA in Medien-Management an. Daneben werden aber auch eine Journalisten-Ausbildung sowie der renommierte Master-Studiengang “Film” angeboten.

Alle Bewerber durchlaufen ein Online-Assessment Verfahren, das CYQUEST seit der Gründung der HMS betreut. Die Tests umfassen simulative Verfahren, wie die Erstellung eines Media-Plans oder die Lösung einer interaktiven Fallstudie, einen kognitiven Leistungstests (der zahlengebundene, sprachgebundene und figural-bildhafte Aspekte abdeckt) sowie einen (Medien-)Wissenstest.

Auch hier fließen die Ergebnisse der Online-Tests als “flankierender Erkenntnisgewinn” in die Auswahlentscheidung ein. Teile des Online-Assessments werden zudem im abschließenden “Präsenz-Assessment Center” noch einmal aufgegriffen bzw. wiederholt. Z.T. als Element der Manipulationsvorbeugung, z.B. um einen stringenten und durchgehenden Prozess zu gewährleisten.

Thema: eAssessment, Hamburg Media School, Media-Saturn Karriere, Studienorientierung, Studieren an der Universität Göttingen, Tchibo Karriere, Unilever Karriere, Virtuelle Studienberatung | Kommentare (1)

Fliplife: Spielerische Berufsorientierung, interessantes Personalmarketing-Tool oder einfach Spielkram?

Mittwoch, 5. Januar 2011 15:41

Als ich die Nachricht vor einiger Zeit gelesen habe, bin ich natürlich hellhörig geworden: Die Plattform “Fliplife” wirbt mit dem Claim “Starte deine Traum-Karriere und spiele zusammen mit deinen Freunden”. “Karriere” und “spielen” in einem Satz, das klingt doch sehr nach “Recrutainment” und gehört deshalb natürlich einmal auf den Seziertisch im Recrutainment Blog.

Was ist Fliplife?

Ganz kurz: Fliplife ist ein Social Game nach dem Prinzip “Farmville”, nur dass es hier nicht um den Auf- und Ausbau eines Bauernhofs geht, sondern darum, in einem von verschiedenen Berufen Karriere zu machen. Klingt vielversprechend, weil man dahinter vermuten könnte, dass hier vielleicht Berufsorientierung, Social Gaming und Personalmarketing sinnvoll miteinander kombiniert werden. Doch der Reihe nach…

Auf der Startseite kann man sich entscheiden, ob man sich direkt bei Fliplife anmelden oder den Facebook Connect nutzen möchte. Ich habe mich für letzteres entschieden, muss allerdings sagen, dass mich die Connect-Abfrage, welche Daten aus meinem Facebook-Profil nun von der neuen App ausgelesen werden können, doch jedes Mal abschreckt. Insb. dann, wenn die App möglicherweise tatsächlich in einem Recruiting-Kontext steht, dürfte dies bei etwaigen zukünftigen Facebook-Apps auch ein absolutes “No-Go” sein; schließlich scheinen viele Facebook-User ja schon Bedenken zu haben, auf den Like-Button einer Karriere-Fanpage zu drücken. Von möglichen Bedenken bzgl. des Beschäftigten-Datenschutzes ganz zu schweigen… Doch zum Thema Facebook-Karriere-Apps in Kürze mehr… Ich schweife ab…

Nach der Anmeldung kann man sich seinen eigenen Avatar zusammenbauen, d. h. seinem virtuellen Charakter ein individuelles Äußeres verpassen (Frisur, Bart, Kopfform etc.). Das erinnert stark an die “Mii-Konfiguration” auf der Nintendo Wii-Konsole. Schick.

Danach kann man sich zunächst für einen von sechs “Berufen” entscheiden, in dem man Karriere machen möchte: Arzt, Journalist, Koch, Bayer-Wissenschaftler (dazu später mehr), Gangster und Stilikone. Die letzteren beiden sind am Anfang allerdings noch geblockt. Die Berufsentscheidung kann man im späteren Spielverlauf auch wieder ändern.

Im neuen Job (ich habe mich mal entschieden, mein Hobby zum “Beruf” zu machen und die Kochlaufbahn eingeschlagen) bekommt man dann Aufgaben übertragen. Entsprechend des jeweiligen “Experience Levels” sind dies zunächst “niedere” Tätigkeiten. Mit zunehmendem Level kommen dann “anspruchsvollere” hinzu. Inwieweit diese “anspruchsvoller” sind, auch dazu später mehr… Also, erstmal Geschirr spülen…

Die Verrichtung der jeweiligen Tätigkeit selber ist dann allerdings extrem unspektakulär. Es geht hierbei nicht darum, Aufgaben wirklich zu “lösen” oder zu “bearbeiten”. Vielmehr besteht die “Aufgabe” schlichtweg darin, auf den Button “Teilnehmen” zu drücken und dann abzuwarten, bis ein gewisser Zeitrahmen abgelaufen ist. Von “Erlebnis” oder gar “Realistic Job Preview” keine Spur. Schade.

Durch das Absolvieren dieser Aufgaben steigen dann das “Experience Level”, der virtuelle Kontostand und die Zahl an Credits. Der individuelle Energiestand sinkt (also meine “Erschöpfung” nimmt zu). Was bedeutet das? Vom Experience Level hängt mein jeweiliger Karrierefortschritt ab: Je höher, desto “anspruchsvoller” die möglichen zu verrichtenden Tätigkeiten, wobei wie gesagt nichts wirklich “anspruchsvoller” wird, außer dass man später manchmal einen zweiten Mitspieler zum Fertigstellen der Aufgabe braucht. Die “Bearbeitung” einer Aufgabe besteht auch dann nur aus dem Drücken des “Teilnehmen”-Button plus Abwarten.

Mit dem virtuellen Geld und den Credits kann man im Shopping-Bereich einkaufen gehen und seinen Avatar “pimpen”.

Möchte ich allerdings Dinge kaufen, für die mein Guthaben an virtuellem Geld oder Credits nicht ausreicht, muss ich entweder fleißig weiterspielen oder ich gehe den Shortcut, bemühe meinen Paypal-Account und kaufe mir welche hinzu – das dann aber natürlich mit echten Euros. Leider scheint auch genau hierin der Hauptzweck von Fliplife zu liegen. Wie bei allen Social Games verdient der Betreiber natürlich am Verkauf dieser virtuellen Güter. Dagegen ist prinzipiell überhaupt nichts einzuwenden, wenn wenigstens der Rest etwas mehr Berufsorientierung bieten würde.

Neben den “beruflichen” Tätigkeiten kann man auch unterschiedlichen Freizeitaktivitäten nachgehen. Man kann verschiedene Sportarten ausüben (um die eigene Energiekapazität zu erhöhen) oder Partys feiern (um Energie aufzufrischen). Ist ja klar: Arbeit kostet Energie, Partys feiern bringt welche… Zunächst steht einem dabei nichts anderes zur Auswahl als “Fußball”, wobei das “Fußballspielen” dann nach dem ähnlichen Prinzip funktioniert wie der Lycos-Klassiker “Prügelpause” (wer sich da noch dran erinnert…) als digitales Pendent zu “Schere-Stein-Papier”.

Zwischenfazit: Fliplife ist ganz nett und bietet die üblichen Features und Techniken anderer Massive Multiuser Browsergames inkl. Share-Möglichkeiten über Facebook und Twitter. Was es (leider) nach meinem Empfinden überhaupt nicht bietet, ist Berufsorientierung. Dabei würde die Möglichkeit, tatsächlich berufstypische Aspekte spielerisch erlebbar zu machen, doch ein enormes Potenzial bieten. Nun ja, Realistic Job Previews in Form von Serious Games zu bauen, ist allerdings auch nicht ganz trivial. Vielleicht können wir uns ja mal mit United Prototype zusammen setzen… ;-)

Aber vielleicht ist Fliplife ja aus Sicht des Personalmarketings eine interessante Plattform. Wie man oben hat sehen können, kann man auch Wissenschaftler werden und das nicht irgendwo, sondern bei Bayer.

Ich habe also gleich mal den Job gewechselt und die Ausbildung zum Koch gegen eine Karriere als Bayer-Wissenschaftler getauscht. Nach dem gleichen Prinzip wie oben beschrieben warten nun wieder Aufgaben auf mich, nur dass es keine Kartoffeln zu schälen, sondern z. B. kaputte Server zu finden, das Logistik-System zu modifizieren oder Präsentationen anzupassen gilt.

Nun, ob das dazu beiträgt, die Arbeitgebermarke Bayer inhaltlich besser aufzuladen, die Vielfalt der Bayer-Jobwelt zu zeigen und erlebbar zu machen oder in Bezug auf verschiedene Berufsbilder für mehr Klarheit zu sorgen, wage ich stark zu bezweifeln. Aber immerhin prangt natürlich das Logo über allem und allein die Tatsache, sich als “Arbeitgeber” als In-Game Advertiser zu inszenieren, ist sicherlich als durchaus innovativ einzustufen.

Also: Wer hinter Fliplife spielerische Berufsorientierung mit viralem Potential vermutet (so wie ich), der wird tendenziell eher enttäuscht. Aber wer weiß, die Chance, “sinnvolle” Aufgaben auf die Bühne zu stellen, besteht ja durchaus. Da ist noch Luft nach oben. Als Plattform für Personalmarketing kann Fliplife u. U. sinnvoll sein (und wenn es auch zunächst eher als PR-Thema ist). Allerdings müsste sich nach meinem Empfinden auch dazu am Charakter des Spiels noch eine ganze Menge in Richtung “Job und Karriere” ändern, um auch als “job- und karriereaffines” Umfeld durchzugehen.

Thema: Berufsorientierung, Employer Branding, Serious Games, Social Media HR | Kommentare (13)